Die starken Frauen der ADAC Straßenwacht

In acht der ADAC Pannenhilfeautos sind Frauen unterwegs.

Karriere in der Männerdomäne: Nadine Volkmer, 25, ist gelernte Kfz-Techniker-Meisterin und eine von acht Frauen in Deutschland, die bei der ADAC Straßenwacht arbeiten. Seit Herbst 2016 ist sie Pannenhelferin im Raum Kassel. Ein Interview über Chancen und Herausforderungen.

Nadine Volkmer ist seit Herbst 2016 Pannenhelferin im Raum Kassel.

Frau Volkmer, wie lange brauchen Sie, um eine Autobatterie zu wechseln?

Bei meinem Ford Fiesta schaffe ich das in etwa fünf Minuten.

In Ihrem Beruf sind Frauen eine absolute Minderheit. Wie sind Sie dorthin gekommen, wo Sie heute sind?

Ich wollte schon immer mit Autos arbeiten. Aber die meisten Werkstätten, bei denen ich mich um eine Ausbildungsstelle beworben hatte, lehnten mich ab, weil sie nicht einmal ein Damen-WC hatten (das gesetzlich vorgeschrieben ist, Anm. d. Red.). Nach ein paar Jahren in der Werkstatt wollte ich mich weiterentwickeln und habe mich bei den Gelben Engeln beworben.

Gab es skeptische Reaktionen auf Ihre berufliche Entscheidung?

Nein, im Gegenteil. Meine Familie war begeistert und hat mich auf meinem Weg immer unterstützt.

Und im Berufsalltag? Hat hier schon mal jemand an Ihren Fähigkeiten gezweifelt?

Ich hatte kürzlich einen Einsatz bei einem etwa 80-jährigen Mitglied. Der Herr hat heftig protestiert, als ich bei seinem Auto den Reifen wechseln wollte. Dank der Unterstützung seiner ebenfalls im Auto anwesenden Tochter konnte er aber überredet werden, sich von mir helfen zu lassen. Am Schluss war sogar er es, der sich bei mir bedankte, und nicht die Tochter!

Hatten Sie Sorge, dass Sie sich als Frau gegenüber den Kollegen besonders beweisen müssen?

Als Straßenwachtfahrerin hat man ja nicht so viel Kontakt zu den Kollegen. Doch ich wurde sehr respektvoll aufgenommen und jeder war hilfsbereit. Aber selbst wenn einer einen dummen Spruch machen würde: Ich bin, wie ich bin, und so bleibe ich auch. 

Selbst wenn einer einen dummen Spruch machen würde: Ich bin, wie ich bin, und so bleibe ich auch.

Gab es Situationen, in denen Sie selbst an Ihren Fähigkeiten gezweifelt haben?

Wenn zum Beispiel ein Schlauch am Keilriemen geschleift hat und ich entscheiden muss, ob der Schaden so groß ist, dass ich den Abschlepper holen muss, oder ob ich es vor Ort noch hinbekomme, habe ich schon gelegentlich Zweifel. Ich denke aber, solche Zweifel sind gesund. Denn wenn man es dann doch schafft, stärkt einen das Erfolgserlebnis enorm. Wichtig ist nur, dass man seine Bedenken in dem Moment nicht nach außen trägt, weil das Mitglied dann verunsichert sein könnte.

Was fasziniert Sie an Ihrer Tätigkeit bei der ADAC Straßenwacht?

Allein schon die Technik! Wenn ich ein Auto angucke, sehe ich nicht bloß ein Fahrzeug, sondern all die Zahnräder, die ineinander greifen müssen, damit es fährt. In fast 85 Prozent der Fälle kann ich dem Havaristen zur Weiterfahrt verhelfen. Außerdem ist es schön zu spüren, wie die Leute sich freuen, wenn man kommt. Sie erzählen dann ihre Geschichte und ganz klar: Kein Fall, kein Mitglied ist gleich.

Gibt es etwas, das Frauen im Berufsleben besser können als Männer?

Möglicherweise können wir Frauen besser zuhören oder uns bei einer Panne um kleine Kinder kümmern. Was aber nicht ausschließen soll, dass Männer, wenn sie selbst Familie haben, das auch gut machen.

Gibt es etwas, wofür Männer in diesem Job besser geeignet sind? Etwa, wenn es um körperliche Arbeit geht?

In der ADAC Straßenwacht macht es keinen Unterschied. Wir haben tolle Wagenheber und gutes Werkzeug, da gibt es auch kein Kraftproblem. In der Werkstatt bin ich schon manchmal an meine Grenzen gestoßen, wenn ich einen Getriebeblock tragen sollte. Das schafft man als Frau nicht allein.

Interview: Katja Fastrich, ADAC Motorwelt 04/2017

Alle Jobs beim ADAC findet ihr in unserem Karriereportal.


Sophia
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Digitale Kommunikation

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