Ufo auf Landgang: Der neue Mercedes EQ C

Die futuristische Studie EQ C von Mercedes wirkt wie aus einer anderen Welt.

Der neue elektrische Mercedes EQ C möchte mit 300 Kilowatt Leistung und 500 Kilometern Reichweite Tesla Paroli bieten. Dahinter steckt nicht nur ein neues Fahrzeugmodell, sondern auch eine Unternehmensstrategie. Wir waren Beifahrer in der EQ Studie. Hier unsere Eindrücke.

Mit der Generation EQ will Mercedes-Benz zeigen, wie das Elektroauto schon bald auf die Überholspur wechseln kann: Die Studie im Look eines sportlichen SUV-Coupés gibt einen Ausblick auf eine neue Fahrzeuggeneration mit batterieelektrischem Antrieb. “Jetzt legen wir den Schalter um”, hat Daimler-Chef Dieter Zetsche bei der Premiere  in Paris versprochen und den Silberling als erstes designiertes Elektroauto ins Zentrum der neuen Unternehmensstrategie namens CASE (Connected, Autonomous, Shared und Electric) gestellt.

Die Kombination dieser vier CASE-Themen hat in Zetsches Augen das Zeug, die PS-Welt aus den Angeln zu heben. Bei jeder passenden Gelegenheit dekliniert Zetsche die CASE-Definition wie ein Mantra. Doch die Zukunft selbst kommt auf leisen Sohlen. Denn während die Vordenker sich in bunten Farben die Mercedes-Welt von morgen ausmalen, bitten die Entwickler schon zur ersten Mitfahrt in der Studie, die wie ein Ufo auf Landgang absolut geräuschlos durch die Häuserschluchten eines Berliner Testgeländes fährt.

Das Cockpit-Display hat Kinoformat

Dass der Wagen bis zur Markteinführung in der besten und mit geschätzten 80.000 Euro auch teuersten Ausbaustufe mit 70 Kilowattstunden Akkukapazität tatsächlich auf 500 Kilometer Reichweite kommen wird, glaubt man den Ingenieuren unbenommen. Schließlich können das Tesla & Co. schon heute. Auch die zwei Motoren mit zusammen 300 Kilowatt und 700 Newtonmetern, den Sprintwert von weniger als fünf Sekunden und die Spitzengeschwindigkeit nimmt man ihnen trotz knarzendem Einzelstück genauso ab.

Denn auch das sind Werte, die bereits heute Standard sind. Deshalb liegt das Augenmerk weniger auf dem Antrieb, als dem Ambiente, mit dem die Schwaben an der Tesla-Konkurrenz vorbeiziehen. Denn selbst das zeichenblockgroße Tablet im Model X verblasst gegen die Multimedia-Show, die Mercedes im EQ inszeniert.

Mercedes kommuniziert mit Insassen

Genau wie in der gerade aktualisierten S-Klasse prangt hinter dem Lenkrad auch beim EQ C ein Cinemascope-Cockpit – nur dass der Screen hier tatsächlich mehr als einen halben Meter misst und die HD-Grafiken noch bunter über den Bildschirm flirren. Doch um Ordnung zu schaffen in der Flut der Informationen, haben die Designer die Darstellungsebenen aufgelöst und das gesamte Interieur zur Dialogfläche gemacht, die über Licht mit den Insassen spricht.

Ein LED-Band unter der Fensterlinie zum Beispiel illustriert den Energiefluss, zeigt durch einen subtilen Farbwechsel den jeweiligen Fahrstil an oder warnt etwa vor Fußgängern. Und hinter den perforierten Türtafeln haben die Entwickler Hunderte mikrofeine LED installiert, die schemenhafte Bewegungen illustrieren und damit ebenfalls kommunizieren können. Pulsierendes Licht beim Laden, wandernde Wolken beim Fahren, ein alarmierendes Flackern – fast unterbewusst nimmt man wahr, was Sache ist.

Noch mehr Touchscreens und Sensorfelder

Während dem Beifahrer nur die Lichtstimmung bleibt, gibt es für die Mitfahrer auf der Rückbank zwei 3-D-Bildschrirme in den Rücklehnen der Vordersitze, über die beinahe holografische Karten flimmern. Mit der neuen Dialogbereitschaft einher geht ein revolutionär entschlacktes Bedienkonzept: Die Sitzverstellung bleibt zwar in den Türtafeln, weil das für Mercedes fast ikonischen Charakter hat. Doch alle anderen Schalter und Knöpfe machen Platz für ein paar wenige Touchscreens und Sensorfelder. Auf einem nach oben gebogenen Bildschirm kann man mit einem Fingerzeig das gesamte Ambiente im Auto intuitiv und einfach modifizieren, egal ob Luft, Licht oder Musik.

Ein knappes Dutzend EQ-Modelle will Daimler in den nächsten Jahren auf den Markt bringen und kann sich vorstellen, schon bald ein Viertel seiner Flotte mit Stecker auszuliefern. Auch wenn der EQ C noch zwei Jahre braucht, wird man das neue Logo bald auf dem Kotflügel der überarbeiteten S-Klasse sehen. Das ist zwar nicht viel mehr als Marketing, birgt aber eine tiefere Botschaft: Die Zukunft, so suggerieren uns die Schwaben, ist näher als man denkt.

Text: Thomas Geiger


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