Carsharing auf dem Land – Mobilität für alle

Schon seit 25 Jahren gibt es den Vaterstettener Auto-Teiler e.V., ein lokales Carsharing-Modell.

Happy Birthday Carsharing Vaterstetten! Vor 25 Jahren startete der Verein mit fünf Mitgliedern und einem sieben Jahre alten VW-Passat. Wir haben uns mit Gründungsvater Klaus Breindl getroffen und mit ihm über das Erfolgsrezept des Projekts gesprochen.

Vaterstetten bei München und ist mit rund 22.000 Einwohnern die zweitbevölkerungsreichste Gemeinde Bayerns. Am 1. Juli 1992 startete der Verein Vaterstettner Auto-Teiler e.V. (VAT) mit fünf Mitgliedern und einem sieben Jahre alten VW Passat. Klaus Breindl, der gerne von Freunden “Mister Carsharing” genannt wird, begleitete das Projekt ab der ersten Stunde.

Klaus Breindl, Gründungsmitglied des Vereins Vaterstettner Auto-Teiler e.V.

Welche Motivation hatten Sie, mit dem Carsharing-Projekt zu starten? 

Am Anfang waren wir fünf Bekannte, die von den Carsharing-Modellen in Berlin und in der Schweiz gehört hatten. Die Idee von einem geteilten Auto fanden wir aus Umweltsicht faszinierend. Für 6000 Mark haben wir uns zu fünft ein Auto gekauft und uns bereits 1992 mit einem Online-Buchungssystem organisiert.

Wie kann man ein Auto mieten?

Unsere Mitglieder buchen sich ein Carsharing-Auto über unser Online-Buchungssystem – das geht beliebig lange im Voraus. Jede Buchung ist im Viertelstundentakt möglich und kann beliebig verschoben, verkürzt, verlängert und storniert werden. Mit einer Transponderkarte, die jedes Mitglied bei der Registrierung erhält, wird das Auto aufgeschlossen. Da bei uns alles ehrenamtlich organisiert ist, haben wir keine Servicehotline. Aber jedes Mitglied kennt mindestens ein weiteres, das eine Buchung ändern oder stornieren kann. Das ist unser Vorteil gegenüber Carsharing-Systemen in Städten: Der Gemeinschaftsgedanke reicht weit über den Carsharing-Gedanken hinaus.

Welche Gebühren fallen dabei an?

Ziel des Vereins ist es, allen Mitgliedern möglichst kostengünstig maximale Mobilität zu bieten

Ziel unseres Vereins ist es, allen Mitgliedern möglichst kostengünstig maximale Mobilität zu bieten. Aus diesem Grund verzichten wir auf Monats- oder Jahresbeiträge. Wer nicht fährt, zahlt nicht. Wer dagegen ein Auto nutzt, bezahlt die gefahrenen Kilometer und die reservierte Zeit. Bei der Registrierung werden ein Aufnahmebeitrag von 50 Euro und eine Einlage von 600 Euro fällig. Letztere wird bei Austritt zurückgezahlt. So entsteht von unserer Seite aus eine Verbindlichkeit gegenüber den Kunden.

Gab es Hürden zu meistern? 

Wir mussten damals das Rad neu erfinden. Parallel gab es zwar in anderen Gemeinden auch Initiativen, aber wir waren untereinander noch nicht so gut vernetzt wie heute. Vor 25 Jahren war es für die meisten undenkbar, auf das eigene Auto zu verzichten. Daher war es sehr zäh und mühsam, neue Mitglieder zu gewinnen. Noch heute wachsen wir hauptsächlich aufgrund von Empfehlungen. Unser Ziel ist es, dass die Menschen ihre Mobilität sinnvoll gestalten – das kommt bei Carsharing-Nutzern ganz von alleine. Sie werden mobiler im Kopf und nicht nur auf der Straße.

Wie ist der Stand heute?

Unsere Flotte besteht aus 20 Autos von Kleinwagen bis zu 9-Sitzern. Zudem gibt es Anhänger und Fahrradträger. Unser Verein war Vorreiter für Carsharing-Projekte im ländlichen Raum und hat mittlerweile knapp 360 Mitglieder. Bezogen auf unser Einzugsgebiet nehmen rund 2,5 Prozent der Einwohner mit Führerschein unser Angebot wahr – aber wir ruhen uns darauf nicht aus. Im Rahmen des Projekts Landkreis Ebersberg – Modellregion für flächendeckendes Carsharing wollen wir bis 2030 flächendeckend in allen Gemeinden mit mehr als 1000 Einwohnern ein attraktives Carsharing-Angebot aufbauen. Wir wollen im Umkreis von weniger als 1000 Metern Entfernung mindestens zwei Carsharing-Autos bereitstellen.

Auf der Webseite des Vaterstettner Auto-Teiler e.V. können Mitglieder die Kosten für eine Fahrt auf den Cent genau berechnen. Eine Einkaufsfahrt für drei Stunden und 20 Kilometer kostet mit einem Kompaktauto beispielsweise 8,70 Euro.

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