Abenteuer-Tour im Brennstoffzellenauto

Sind Brennstoffzellenautos etwas für Idealisten? Wir haben eine Tour durch vier Länder gemacht.

2535 Kilometer im Brennstoffzellenauto mit E-Motor: Unser Motorwelt-Autor wagte das Abenteuer mit oft leerem Tank. Zumutung oder Zukunfts-Technologie?

Vier Länder in drei Tagen: Von München aus geht es mit dem Hyundai ix35 Fuel Cell in der ersten Etappe nach Innsbruck, Österreich. Doch bereits hier gibt es die erste Hürde. Die Tankstelle ist defekt und soll erst die kommenden Tage repariert werden. Die nächste Wasserstofftankstelle ist erst wieder in Italien, genauer gesagt in Bozen. Das liegt hinter dem Brennerpass, 126 Kilometer weit weg und ist eigentlich nicht auf der ursprünglichen Route mit eingeplant.

Die rot gekennzeichneten Wasserstoff-Stationen haben auf der Reise überhaupt nicht, die gelben nur bedingt funktioniert.

Tankstellen außer Betrieb

Auf der Steigung über die Alpen schmilzt die Reichweite wie der Schnee im Frühling, aber es reicht – gerade noch so. Riesige Solarpanels liefern an der Tankstelle in Bozen die Energie für die Elektrolyse mit Leitungswasser. Einmal vollgetankt sollte für die kommenden 420 Kilometer reichen. Von Südtirol aus geht es über die Schweiz zurück nach Deutschland in Richtung Stuttgart.

Bis 2023 soll es in Deutschland 400 Wasserstofftankstellen geben. Heute sind es gerade mal 30.
Viele Tankstellen waren außer Funktion, einige haben nur teilweise funktioniert. Sowohl in Offenbach, als auch in Kamen konnte der Tank aufgrund der heißen Temperaturen nicht voll betankt werden. Es reichte jedes Mal gerade so bis zur nächsten Station.

Pioniere unter sich

Wenn`s läuft, dann läuft`s: Das elektro-typische weiche Gleiten, die sanfte, aber druckvolle Beschleunigung, das Fehlen des Motorlärms zeigen, dass hier die Zukunft rollt. Auch wenn Akku-Mobile in Sachen Reichweite aufholen: Noch ist die Brennstoffzelle bei Tankzeiten und Reichweite überlegen. Aber ist Wasserstoff eigentlich gefährlicher? Angeblich nein. Nicht mal, wenn man eine Gewehrkugel in den Tank feuert, explodiert er. Hyundai hat das ausprobiert. Das Gas entweicht, reagiert mit Sauerstoff und verwässert zur Pfütze.

Mit 432 Kilometer ist die Strecke von Berlin nach Nürnberg die längste, und es zeigt sich: An allen Stationen herrscht Pioniermentalität. Man trifft sich, tauscht sich aus, berichtet von Abenteuern mit leerem Tank. Die letzte Etappe zurück nach München meistert der Hyundai mit vollem Tank und ohne weitere Hindernisse.

Fazit: 2535 Kilometer, 26 Kilo Wasserstoff und 260 Euro Spritkosten. Die Reise war eindeutig teurer, als die Tour per Diesel gewesen wäre. Ein Brennstoffzellenauto ist etwas für Idealisten.

Was hinter der Wasserstoff-Technologie steckt, lest ihr hier.

Auch interessant: Carsharing-Konzept mit Wasserstoff

Text: Marcus Efler


Sophia
Studium in Ansbach. Volontärin Digitale Kommunikation.

4 Kommentare

  1. B.L. sagt:

    Ich verstehe nicht ganz was eine Europarundreise für eine Aussage haben soll. Dass die H2-Infrastruktur quasi nicht vorhanden ist, dürfte jedem klar sein. Der Aufbau wird viele Jahre dauern da die Kosten enorm hoch sind und es ja auch noch keine Fahrzeuge in Großserie gibt (Betonung auf “groß” – genaugenommen gibt es derzeit genau 2 Fahrzeuge in Kleinserie zu Apothekerpreisen) – das bekannte Henne-Ei-Problem.
    Die Brennstoffzelle ist jetzt bereits seit 20 Jahren “in 5 Jahren Serienreif”… mag sein, aber preislich noch lange jenseits von Gut und Böse. Ich glaube sowieso nicht dass sich die Brennstoffzelle im PKW durchsetzen kann. Dazu geht es beim reinen Akkuantrieb derzeit viel zu rasant in die Masse. Die Hersteller reiten auf einem toten Pferd.

  2. Anonymous sagt:

    Mit einem Diesel wäre es also günstiger … wie sieht es denn mit einem Benziner aus? Oh, welch Überraschung, da sind die Kosten ähnlich wenn nicht sogar teurer im Vergleich zum Wasserstoff. Sind dann alle, die einen Benziner fahren etwa auch Idealisten?
    Und was ist mit den Idealisten, die mit Autogas oder Erdgas fahren und somit sogar den Diesel weit unterbieten?
    Das tote Pferd ist auf der Langstrecke allerdings das Elektroauto. Wenn man alle 120 – 150 km (optimistisch 200 km) anhalten muss, um 30 – 60 Minuten zu laden wird die Langstrecke schnell zur Tortur. Ja, die Akkus werden größer, aber sie laden nicht schneller. Nehmen wir mal die optimistischen 200 km und eine Ladezeit von 30 Minuten. Das macht bei 2500 km 12 Ladestops, also 6 zusätzliche Stunden die man mit Laden verbringt. Bei 130 km/h liegt die reine Fahrzeit bei gut 19 Stunden, ergo verbringt man knapp 1/3 der Zeit zusätzlich mit Laden und somit in Summe 25 Stunden. In der Realität dauert das ganze sogar noch länger als im Gedankenspiel. Und dann gibt es auch noch sowas wie Frost und Winter, die die Akku-Kapazität und somit die Reichweite dahinschmelzen lassen wie Butter in der Sonne.Es gibt nicht umsonst genug Puristen, die auf der Langstrecke ohne Heizung oder Klimaanlage im Windschatten von LKW fahren um noch ein Quäntchen mehr Reichweite herauszukitzeln um weniger oft Laden zu müssen.
    Für den Stadtverkehr und die Kurzstrecke machen sich die Nachteile des Elektroautos kaum bemerkbar, es gibt überall Ladesäulen und auch wenn die mal langsam laden, macht das beim Verbrauch auf der Kurzstrecke kaum einen Unterschied. Aber auf der Langstrecke ist dann Schluss mit lustig. Ein für die Langstrecke konfiguriertes Elektroauto (großer Akku, schnell Lade-Option, etc.) ist jetzt auch nicht gerade ein Schnäppchen.

    • Martin sagt:

      “Wenn man alle 120 – 150 km (optimistisch 200 km) anhalten muss, um 30 – 60 Minuten zu laden wird die Langstrecke schnell zur Tortur. Ja, die Akkus werden größer, aber sie laden nicht schneller.”

      Ich gebe Dir natürlich Recht, Deine Aussage beruht auf Fakten. Aber in meinen Augen sind wir verwöhnt, was die zeitlichen Aspekte betrifft und müssen an diesem Punkt etwas ändern und zwar dringend, wenn wir jemals etwas verändern wollen. Ich glaube, Rückschritt kann später auch Fortschritt bedeuten – was dieses Thema betrifft zumindest. Grundsätzlich und langfristig sollte natürlich das Ziel darin bestehen, die Infrastruktur für E-Autos auszubauen.

  3. Martin sagt:

    Interessant, interessant. Aber ist Hybrid eine Alternative? Meiner Meinung nach: Nein. Auch das Thema ist einfach noch nicht sorgfältig zuende gedacht worden. Schön, wenn sich manche Firmen, wie z.B. Lexus überwiegend auf Hybrid setzen und sich so ein Öko-Schild an die Türe hängen können. Aber ist das die Zukunft? Der Schaden für die Umwelt wird doch nur um wenige Prozent im Vergleich zu Benzin und Diesel reduziert. Ich finde das “Experiment” hier interessant aber für die Umwelt? Da kommt doch langfristig nur eine 100%ige Elektromobilität mit Öko-Strom infrage und dieses Thema sollte im Mittelpunkt stehen und künftig weiter ausgebaut werden!

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