Ein Tag im ADAC Fahrsicherheitszentrum

Vorausschauende Fahrweise und im Notfall die richtige Reaktion sind das Ziel des ADAC Fahrsicherheits-Trainings.

Das Motto lautet Grenzen kennen lernen: die des Fahrzeugs und die eigenen. Die meisten Unfälle passieren durch falsches Verhalten in kritischen Situationen. Teilnehmer des ADAC Fahrsicherheits-Trainings lernen, in extremen Situationen richtig zu reagieren. Wir waren beim Training dabei und haben mit einem Kollegen gesprochen.

Rainer Jung ist seit vielen Jahren als ADAC Fahrsicherheitstrainer tätig.

Es ist noch früh am Morgen, als die ersten Teilnehmer im ADAC Fahrsicherheitszentrum in Augsburg eintrudeln. Auf dem Programm steht ein ganztägiges Pkw-Intensiv-Training. Hier werden Verkehrssituationen realitätsnah simuliert und tägliche Fahrmanöver trainiert. Die Teilnehmer sollen lernen, die Gefahren von Gewohnheitssituationen und Ablenkung einzuschätzen und wie sie in Risikosituationen nicht die Kontrolle über ihr Fahrzeug verlieren. “Jedes Training unterteilt sich in fünf Phasen: Nach der Begrüßung machen sich die Teilnehmer ihr bisheriges Verhalten als Autofahrer bewusst. Anschließend trainieren wir Handlungsalternativen und bereiten uns auf unvorhersehbare Verkehrssituationen vor. In einer Feedback-Runde formulieren die Teilnehmer Verhaltensvorsätze für ihren Alltag”, erklärt Rainer Jung, ADAC Fahrsicherheitstrainer.

20 Jahre lang war Rainer Jung selbstständiger Fahrlehrer und ist im Rahmen dieser Tätigkeit zufällig zum Fahrsicherheitstraining gekommen. “Geplant war es nicht, aber wie sich herausstellte, war es eine super Ergänzung zu meinem beruflichen Umfeld.” Seit 2013 arbeitet Jung in der ADAC Zentrale in München und ist unter anderem für die Weiterentwicklung und das Qualitätsmanagement der Fahrsicherheits-Trainings zuständig.

Ein Tag im Fahrsicherheitszentrum Augsburg

Für die Gruppe geht es nach einer kurzen Vorstellungsrunde mit ihren Autos auf die Anlage. Als Erstes steht die Gefahrenbremsung auf normalem Asphalt sowie einem speziellen Gleitbelag auf dem Programm. Ziel ist es, die Teilnehmer Schritt für Schritt an neue Grenzsituationen heranzuführen, um dann mögliche Ausnahmesituationen im realen Straßenverkehr meistern zu können. Die Trainer überwachen und begleiten diesen Prozess. “Es schleichen sich über die Jahre kuriose Fahrgewohnheiten ein. Im Laufe des Fahrsicherheitstrainings wird vielen wieder bewusst, welche Verantwortung man als Autofahrer eigentlich hat”, so Jung. “Unsere Aufgabe besteht darin, gemeinsam das Risiko kennen zu lernen und richtig einzuschätzen.”

Der Schwierigkeitsgrad steigt: Im Slalom müssen die Teilnehmer jetzt plötzlich auftauchenden Hindernissen, wie zum Beispiel Wasserfontänen, auf dem Gleitbelag ausweichen und gleichzeitig noch eine Rechenaufgabe lösen. Einer nach dem anderen rauscht in die Wasserfontäne oder schlittert über die imaginäre Leitplanke hinaus. Das Fazit danach ist einstimmig: Sich auf zwei Dinge gleichzeitig zu konzentrieren, ist selbst bei 30 km/h beinahe unmöglich.”Der Anteil der Unfälle aufgrund von Ablenkung am Steuer ist mittlerweile höher als der von Alkohol. Diese Zahl ist erschreckend und deswegen finde ich diese Übung sehr sinnvoll”, sagt Jung.

Traumberuf Fahrsicherheitstrainer

“Die Teilnehmer gehen mit uns an ihre Grenzen.”

Prinzipiell kann jeder, der Lust und Motivation hat, ADAC Fahrsicherheitstrainer werden. In mehreren Seminarblöcken werden die sogenannten Hospitanten an den Beruf herangeführt und geschult. Je nachdem, wie viele Interessenten angemeldet sind, kann die Weiterbildung bis zu einem Jahr oder sogar länger dauern. Der Abschluss ist dann eine praktische Lehrprobe. “Es ist bei jedem Training aufs Neue spannend zu sehen, wie sich die Teilnehmer weiterentwickeln”, erzählt Rainer Jung. “Sie gehen mit uns an ihre Grenzen, und wir bauen eine vertrauensvolle Bindung zu ihnen auf. Das Schönste ist, wenn man Teilnehmer Jahre später noch einmal trifft, und sie erzählen, was sie aus dem Training dauerhaft in den Alltag übernommen haben.”

Im Rahmen des diesjährigen Wettbewerbs “ADAC Fahrsicherheitsprofi” wird Rainer Jung heute, 26. Juni, beim Vorentscheid in Augsburg als Koordinator vor Ort sein. Alle weiteren Infos zum Wettbewerb und dem ADAC Fahrsicherheits-Trainings findet ihr hier.


Sophia
Sophia
Digitale Kommunikation

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.