Handy am Steuer: die unterschätzte Gefahr

Eine Nachricht schreiben, das Fahrziel ins Navi eintippen oder telefonieren: Schnell lassen sich Autofahrer am Steuer ablenken.

Immer selbstverständlicher nutzen Autofahrer das Handy am Steuer. Vielen ist nicht bewusst, wie gefährlich das tatsächlich ist. Auf dem 55. Deutschen Verkehrsgerichtstag in Goslar spricht sich der ADAC jetzt für ein klar formuliertes gesetzliches Verbot aus. Dieses soll auch dem technischen Fortschritt der Smartphones gerecht werden. 

Während es in der Bevölkerung einen breiten Konsens gibt, dass etwa Alkohol am Steuer unverantwortlich ist, gilt das Handy am Steuer für viele immer noch als vernachlässigbar. Dabei können die Folgen fatal sein: Wer bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h nur zwei Sekunden lang unachtsam ist, legt fast 28 Meter Blindflug zurück.

Das Hauptproblem: Für viele ist Autofahren Routine. Vor allem auf bekannten Strecken lässt die Konzentration schnell nach. Neben dem Handy können auch weitere scheinbar harmlose Nebentätigkeiten gefährlich werden.

Bereits 2015 fanden unsere Experten in einer gemeinsamen Studie mit dem österreichischen Automobilclub ÖAMTC heraus, dass Menschen die Folgen von ablenkenden Tätigkeiten auf ihr Fahrverhalten unterschätzen. Am längsten ging der Blick weg von der Straße beim Bedienen des Navigationsgerätes, gefolgt vom Telefonieren mit dem Handy. Das Ergebnis: 76 Prozent der Fahrer hätten nicht vor einem plötzlich auftretenden Hindernis bremsen können.

Welche Strafe folgt bei Handy am Steuer?

Die aktuelle Regelung in Deutschland besagt Folgendes (§23 StVo):

“Wer ein Fahrzeug führt, darf ein Mobil- oder Autotelefon nicht benutzen, wenn hierfür das Mobiltelefon oder der Hörer des Autotelefons aufgenommen oder gehalten werden muss. Dies gilt nicht, wenn das Fahrzeug steht und bei Kraftfahrzeugen der Motor ausgeschaltet ist.”

Das derzeit geltende Verbot von Mobil- und Autotelefonen ist nach Meinung unserer Experten nicht mehr zeitgerecht. Der Anwendungsbereich des gesetzlichen Verbots sollte zugunsten einer allgemeingültigen Auslegung ausgetauscht werden. Nur so kann die Regelung dem technischen Fortschritt der Kommunikationsmittel gerecht werden. Eine neue gesetzliche Regelung muss jedoch so formuliert sein, dass sie praktikabel und nachvollziehbar ist.

Für die Nutzung des Handys am Steuer erwartet den Fahrer aktuell ein Punkt in Flensburg sowie ein Bußgeld von 60 Euro. Wer als Radfahrer das Smartphone verbotswidrig nutzt, muss 25 Euro Verwarnungsgeld zahlen.

In Italien dagegen erwartet Autofahrer mit Handy am Steuer ein Bußgeld von 160 Euro. In Dänemark und Spanien sind es sogar 200 Euro. Lediglich in Schweden gibt es kein ausdrückliches Handyverbot. Jedoch können auch hier Bußgelder von bis zu 170 Euro anfallen, sollte der Autofahrer das Mobiltelefon benutzen und dabei durch unsichere Fahrweise auffallen oder die Sicherheit im Straßenverkehr gefährden.

Aufklärung und Sensibilisierung

Neben einem neuen, klar formulierten Verbot für die Nutzung von Handys am Steuer fordern unsere Experten, Verkehrsteilnehmer verstärkt aufzuklären und für die Gefahrensituation zu sensibilisieren. Eine frühzeitige Sensibilisierung für Gefahren jeglicher Ablenkung kann bereits in der Fahrausbildung stattfinden. Technische Geräte im Fahrzeug sollten außerdem grundsätzlich so gestaltet sein, dass sie intuitiv bedient werden können und der Blick während der Fahrt nicht von der Straße abgewendet werden muss.

Also: Lasst euch am Steuer nicht ablenken! Ein Unfall passiert leider viel zu schnell. 


Sophia
Sophia
Digitale Kommunikation

13 Kommentare

  1. Marius sagt:

    Hallo,

    meiner Meinung nach geht so was gar nicht. Das Problem ist das den meisten Leuten oft gar nicht bewusst ist, wie gefährlich es ist mit dem Handy mal schnell was zu tippen. Man legt innerhalb der paar Senkunden so viele Meter zurück.. wenn da ein Kind über die Straße lauft wird der Fahrer wohl nie wieder froh. Aber in dem Moment denken wohl die meisten nicht so weit. Eine harte Methode wäre, die jedoch bestimmt abschreckt, Bilder von Unfällen zu veröffentlichen von verletzten Personen. Auch sollte hier vor allem in der Fahrschule auch schon aufgeklärt werden.
    Ich hatte beim ADAC ein Fahrsicherheitstraning für Junge Fahrer, hier bei wurde kurz darauf eingegangen.

  2. Uwe sagt:

    heute erst wieder erlebt…
    Landstraße 50er Zone Mercedes GLA 4matic fährt 40…
    dann sind 70 erlaubt.. er wird langsam schneller bis auf 55 zwischendurch mal ein-zwei abruppte Schlenker… als frei wird will ich ihn überholen… kaum neben ihm gibt er Vollgas.. anscheinend hab ich ihm die Sicht genommen.. an der nächsten Ampel zur Rede gestellt.. ich nix Handy, was du wollen?” seine Antwort zum kotz… 🙁

  3. Francesco sagt:

    Ganz ehrlich, nur 60,00€ da lacht doch jeder drüber.
    Die Strafe auf 2500,00€ raufsetzen und ich garantiere da schaut keiner mehr auf sein Handy oder irgendwelche Nachrichten.
    Solange das nur als läppischer Kavaliersdelikt gesehen wird, macht doch jeder weiter. Oder Führerscheinentzug für 3 Monate oder Auto Beschlagnahme.
    Der Telefoniere hat ja bewiesen, dass er nicht geeignet ist für das Führen eines Autos.
    Ich erwarte mir auch vom ADAC , dass er hier dem Gesetzgeber ordentlich auf die Füße tritt und sich für höhere Strafen einsetzt. Da ist der ADAC noch viel zu lasch. Ein Menschenleben ist unbezahlbar und das sollte der einzige Maßstab sein.
    Das ist wie bei kleinen Kindern, die brauchen Grenzen aufgezeigt. Da reicht es nicht, an die Vernunft zu appellieren. Das rumdiskutieren hat ja bis jetzt nichts gebracht.
    Ganz einfache Regel rumhantieren mit Handy, Wasserflasche, Kaffee, Brotzeit oder anderen Dingen bei der Führung eines KFZ wird ohne Diskussion bestraft. Und wer so etwas sieht und bei der Polizei anzeigt bekommt eine Belohnung.
    Da werden wir plötzlich viele konzentrierte Autofahrer haben.
    Also ADAC setz dich ein für eine höhere, empfindliche Strafe und eiere nicht rum. Diskutiert wurde schon viel zu lang. Auch von Seiten des ADAC.

  4. Frenck sagt:

    Typisch ADAC: Das das ” Rumfummeln ” am Navi genauso gefährlich ist wird immer wieder verschwiegen!

    • ADAC ADAC sagt:

      Hallo Frenck, auch zum Thema Nutzung von Navi, Handy etc. verschweigen wir nichts =>http://bit.ly/adac_Ablenkung. Typisch ADAC halt 😉

  5. Riess sagt:

    Ein gesetzliches Verbot und vor allem drastische Strafen (Fahrverbot, Nahschulung o.ä.) für Handy am Steuer kann ich nur unterstützen.

  6. Willi sagt:

    Also man liest ja immer wieder zig verschiedene Meinungen zu diesem Thema, dann wird unendlich diskutiert wie man denn das Problem in den Griff bekommen könnte, wundert sich warum die Strafen nicht greifen usw. usw., – ich kann es einfach nicht mehr hören bzw. lesen, wäre doch eine Beseitigung des Problemes so einfach!

    Wer meint er müsse mit dem Handy am Ohr telefonieren, simsen oder sich anderweitig während der Fahrt damit beschäftigen hat ein klares Fahrverbot von mindestens zwei Monaten verdient, ohne wenn und aber, – hierbei von einem nicht angemessenen Strafmaß zu sprechen ist für mich völlig unakzeptabel, riskieren solche verantwortungslosen Verkehrsteilnehmer doch letztendlich das Leben anderer Autofahrer, kommt es dann tatsächlich zu einem Unfall ist das Geschrei wer den Schuld war groß!

    In Zeiten wo Freisprecheinrichtungen wirklich nicht mehr viel kosten bzw. meistens schon in neue Fahrzeuge integriert sind grenzt es doch an totale Faulheit bzw. absoluten Geiz wenn diese nicht eingesetzt wird, vor allem wenn man dann beobachten kann das zwar Unsummen für den Kauf des Fahrzeuges ausgegeben werden, aber es dann letztendlich nicht mehr für eine Freisprecheinrichtung im Wert von 30,- Euro reicht!

    Ich bin jedenfalls felsenfest davon überzeugt, würde man ein Fahrverbot verhängen, hätte sich diese Handyspielerei während des Fahrens innheralb kürzester Zeit erledigt, denn im Gegensatz zu den lächerlichen Strafen ist der Entzug der Fahrerlaubnis immer noch ein sehr schmerzhaftes und wirksames Mittel.

  7. Jürgen Stockmann sagt:

    Wer sich ein teures Auto mit vielen Extras leisten kann, sollte an einer Freisprechanlage nicht sparen!

  8. Helal sagt:

    vom Grundsatz stimme ich zu, vor allem, da alle Handynutzer bekannt und über den wechselden Sendeort problemlos identifiziert werden könnten. Aber die deutsche Gestzgebung stammt aus dem vorletzten Jahrhundert und wird nicht angepasst. Und so lange gilt: ” Die Nürnberger hängen keinen, es sei denn sie hätten ihn…”

  9. Rainer Liebler sagt:

    wenn ein Autofahrer immer langsamer während der Fahrt wird, dann hängt er am Handy. Es ist ja alles schon bekannt,keine z.Zt. angekündigte Strafe hilft wirksam gegen diese sehr gefährliche Unsitte.

    Mein Vorschlag würde garantiert zu 100% sofort helfen. Wird einer erwischt, Handy mit Sim-Karte sofort abnehmen und komplett
    durch einen Schredder alles platt machen. Das wird sich schnell genug herumsprechen und alles ist erledigt. Man muß diese Leute
    dort treffen wo es am meisten schmerzt.

  10. Connie sagt:

    Handys kann man einfach in Freisprechanlagen einloggen, das funktioniert wunderbar – wenn man angerufen wird. Ansonsten bringen die wenig, denn zum Anrufen von Personen muss man die Augen auf den Bordcomputer lenken, selbst bei Sprachsteuerung würde ich immer zur Kontrolle noch mal dorthin schauen. Überhaupt – Bordcomputer… ob das Navi, der aktuelle Verbrauch, die Außentemperatur oder das Telefon, der Blick wandert viel zu oft dorthin. Ich selber ertappe mich immer wieder, dass ich auf dem Bordcomputer etwas nachschaue, womöglich sogar die Anzeige scrolle.
    Das Handy am Ohr ist ein absolutes no-go, dann fehlt eine Hand. Aber die schicken technischen Spielereien eines Bordcomputers sind m.E. auch sehr gefährlich, weil sie zum Hinkucken verleiten….

  11. Potetia sagt:

    Allein wenn man mal die klasischen Fausformeln aupackt, sollte jeder normale mensch merken, dass es brutal gefährlich ist…

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