Ohne Anschluss kein Strom

Wohnungseigentümer und Mieter haben es oft schwer, die Genehmigung für eine Steckdose an ihrem Stellplatz zu erhalten.

Für viele Stadtbewohner bleiben Elektroautos ein Traum. Nicht, weil sie zu teuer sind. Sondern weil keine Steckdosen in den Tiefgaragen angebracht werden dürfen.

Der Wagen von N. Panday ist in die Jahre gekommen, sein nächster Pkw soll ein E-Auto werden. Der 46-Jährige lebt in München und besitzt eine Eigentumswohnung inklusive Tiefgaragenstellplatz. Dort will er seinen künftigen Wagen auch aufladen, eine Steckdose gibt es noch nicht.

Also bestellt er einen Elektriker. Beantragt bei der nächsten Eigentümerversammlung die Erlaubnis, 50 Meter Kabel zu verlegen, einen Zähler und eine Wallbox an seinem Parkplatz anbringen zu lassen. Die Kosten von 2000 Euro, das ­garantiert er schriftlich, wird er tragen.

Doch bei der Eigentümerversammlung platzt sein Traum von der abgasfreien Mobilität. Alle Miteigentümer stimmen gegen seinen Antrag. Die Begründung: Wenn ein Eigentümer die Steckdose genehmigt bekommt, müsste diese Entscheidung ja für alle gelten. Dann drohe heilloses Kabel-Wirrwarr, außerdem die Überlastung der Stromleitungen.

Panday klagt gegen die Entscheidung. Gewinnt in erster und verliert in zweiter Instanz. Bei baulichen Veränderungen am Gemeinschaftseigentum – zu dem die Tiefgarage gehört – müssen die Miteigentümer zustimmen, so der Richter.

Was wie ein belangloser Streit unter Nachbarn wirkt, ist in Wirklichkeit ein gewaltiges Hindernis für viele E-Auto-Käufer in spe. 54 Prozent der Deutschen leben in Mehrfamilienhäusern, Millionen von Autos stehen in Tiefgaragen. Vor allem in den Städten – also dort, wo die Belastung mit Feinstaub und Stickstoffdioxid besonders hoch ist und abgasfreie E-Autos daher besonders willkommen wären. Martin Kaßler vom Dachverband Deutscher Immobilienverwalter sagt: „Wohnungseigentümer und Mieter haben es schwer, die Genehmigung für eine Steckdose am Stellplatz zu erhalten.“ Und ohne Lademöglichkeit am eigenen Parkplatz hat auch die Elektromobilität keine Chance. Panday sagt: „Auf Dauer wäre es mir zu umständlich, das E-Auto an einer weit von der Wohnung entfernten Ladesäule abzustellen.“

Die Politik hat das Problem erkannt. Jetzt ist Berlin am Zug

Immerhin haben Bayern und Sachsen im Juli 2016 vorgeschlagen, das Wohnungseigentums-Gesetz (WEG) zu ändern. Der Einbau neuer Steckdosen für E-Autos soll künftig in der Regel ohne Zustimmung der Miteigentümer möglich sein, Mieter sollen die ­Zustimmung vom Vermieter einfordern können. Vorausgesetzt, sie bezahlen den Einbau. Im September könnte der Bundesrat dem Antrag zustimmen. Bindend wäre der Gesetzentwurf nicht. Das WEG ist ein Bundesgesetz, verabschiedet werden muss es in Berlin.

Sind die juristischen Hürden erst einmal genommen, lassen sich auch prak­tische Fragen lösen. Frank Ramowsky ist beim TÜV Rheinland für E-Mobilität ­zuständig. Er sagt: „Technisch ist die Verkabelung von Tiefgaragen kein Problem.“ Aber jedes Haus ist ein Unikat, Standardlösungen gibt es nicht. Elektriker müssen vor Ort klären, ob sich ein Kabel vom privaten Stromzähler zum Stellplatz verlegen lässt, oder ob ein zweiter Zähler nötig wäre. Und ob die Stromstärke am Hausanschluss ausreicht, um ein, zwei oder mehr E-Autos zu laden.

Panday hat all das schon erledigt. Handelt der Gesetzgeber, wird sein nächster Wagen vielleicht doch noch ein E-Auto.

Text: Thomas Paulsen


Katharina
Katharina
PR Referentin, Digitale Kommunikation (DKO)

2 Kommentare

  1. Steckdosen sagt:

    Einen Sehr schönen Artikel haben Sie hier verfasst !
    Ich finde es toll das sich hier in Deutschland Gedanken über Elektroautos gemacht wird. Und das man bald auch auf jedem Parkplatz Ladestationen ohne Erlaubnis des Vermieters so lange man dies selbst Einbauen lässt genehmigt wird ist super !

    Mit freundlichen Grüßen
    Steckdosen

  2. H. Roth sagt:

    Bei meinem Bekannten geht es um ein neu zu bauendes Mehrfamilienhaus.
    Technisch wäre alles machbar aber die Ausführung zur Montage einer Steckdose in der Tiefgarage wurde abgelehnt.
    Der Brandschutz ist ein Problem sagt die Baufirma.
    Es gibt noch keine Bestimmungen und Regelungen (Vorschriften, Normen).
    Die Politik wünscht mehr E-Autos aber die Grundlage für das Laden daheim fehlt – warum wurde dieser Aspekt in der Öffentlichkeit noch nie erwähnt, oder wurde es erwähnt dann bitte wo ist die Lösung?
    Die Baufirma kennt noch keine Lösung.

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