Phänomen Tunnelangst

Dunkelheit und gefühlte Ausweglosigkeit: Vielen Menschen ist in Tunneln unwohl.

Wer von Deutschland aus nach Süden will, muss spätestens in den Alpen Tunnel durchfahren. Für Menschen mit Tunnelangst eine echte Tortur – die schlimmstenfalls zu Panikattacken führen kann. Wie ihr euch davor schützen könnt.

In den Sommerferien geht es für viele Deutsche wieder mit dem Auto in Richtung Süden über die Alpen – oder besser gesagt unter den Alpen hindurch. Zahlreiche Tunnel durchziehen das mächtige mitteleuropäische Gebirge und sorgen für eine schnellere Verbindung. Der längste, der Gotthard-Tunnel in der Schweiz, erstreckt sich auf rund 17 Kilometer.

Einige Autofahrer bekommen es beim Durchfahren gerade längerer Tunnel mit der Angst zu tun: Tunnelangst ist kein seltenes Phänomen. Eigentlich haben Ängste für den Menschen eine wichtige Funktion, sie sollen uns vor unnötigen Risiken schützen. Bei der Tunnelangst handelt es sich allerdings um eine irrationale Form der Angst. Tatsächlich ereignen sich im Tunnel im Vergleich zur Straße weniger Unfälle.

Wenn der Fahrer Panik bekommt, wird es gefährlich

Dennoch, die Dunkelheit, die Beklommenheit und nicht zuletzt die Vorstellung, sich der Situation auch im Gefahrenfall nicht entziehen zu können, rufen im Tunnel bei einigen Autofahrern Angstreaktionen hervor ­– oft mitsamt entsprechender Symptome, wie unsere Verkehrspsychologin weiß: „Es kann zu Schweißausbrüchen oder Atemproblemen kommen. Und sobald man diese körperlichen Reaktionen wahrnimmt, verschärfen sie sich oft, wodurch die Angst noch größer wird. Im schlimmsten Fall droht sogar eine Panikattacke.“ Gerade für den Lenker des Fahrzeugs könne das schwerwiegende Folgen haben: „Der Betroffene will dann so schnell wie möglich aus dem Tunnel raus, drückt womöglich aufs Gaspedal und bringt sich und andere Verkehrsteilnehmer in Gefahr“, so die Verkehrspsychologin.

Damit es nicht so weit kommt, rät sie anfälligen Personen, Tunnel auf der Fahrt in den Urlaub zunächst zu meiden, zum Beispiel mit Hilfe von ADAC Maps. In unserem Routenplaner könnt ihr unter Routenoptionen auswählen, ob ihr auf eurer Strecke Tunnel ab einer bestimmten Länge umfahren wollt.

Bei schwerwiegenden Ängsten empfiehlt die Psychologin, einen Therapeuten oder einen entsprechend spezialisierten Fahrlehrer aufzusuchen.

Tipps bei leichtem Unbehagen

Nur die wenigsten Autofahrer leiden im Tunnel allerdings unter wirklichen Angstzuständen. Vielen ist es beim Durchqueren schlichtweg ein wenig mulmig. In solchen Fällen ist der Tunnelaufenthalt weniger problematisch. Aber auch gegen das Unbehagen könnt ihr etwas unternehmen. Unsere Verkehrspsychologin gibt folgende Tipps:

  • Vor der Fahrt: Sich erkundigen, wie viele Unfälle in Tunneln tatsächlich passieren und welchen Ausgang diese Unfallsituationen für gewöhnlich nehmen.
  • Während der Fahrt: Selbstberuhigung durch ruhiges und regelmäßiges Atmen oder durch ein Gespräch mit dem Beifahrer.

Bei Stau, Panne oder Unfall: So verhaltet ihr euch im Tunnel richtig.

Ihr fühlt euch nicht nur im Tunnel unwohl? Auch Flugzeuge bereiten euch Unbehagen? Lest hier, wie ein Seminar gegen Flugangst helfen kann.


Tim
Tim
Soziologe und Journalist. Weigert sich, das Verkehrssystem aus systemtheoretischer Perspektive zu betrachten.

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