Werbung schauen – umsonst fahren

In Düsseldorf ermöglicht eine App kostenfreie Fahrscheine.

Ein Erwachsenen-Ticket für die Straßenbahn in Düsseldorf kostet 2,70 Euro, bei einer Kurzstrecke nur 1,60 Euro – und mit einer bestimmten App sogar nichts. Und das auch, wenn man nicht zu den konservativ geschätzt drei Prozent der Bahnfahrer gehört, die ohne gültigen Fahrschein unterwegs sind.

Die App namens „Welect“ ermöglicht ihren Nutzern in Düsseldorf freie Fahrt. Bedingung: Sie laden das Programm herunter und sehen sich Werbeclips an, vier für einen regulären Fahrschein und drei für eine Kurzstrecke.

Werbevideos bringen Fahrschein

Die Nutzer können aus einer Liste von Werbekunden auswählen, die mit „Welect“ zusammenarbeiten. Die Unternehmen zahlen für die Reklame Geld an „Welect“. Der App-Betreiber überweist dann einmal pro Monat den Betrag für die entsprechende Anzahl von Tickets an die Rheinbahn, das zuständige Nahverkehrsunternehmen in Düsseldorf.

Bisher ist das Projekt ein Erfolg: Das Startbudget reichte für 10.000 Fahrscheine. Bereits nach knapp einer Woche verkündeten die App-Macher Olaf Peters und Philipp Dommers, dass das Kontingent erschöpft sei. Ein Blick in die App-Stores von Google und Apple zeigt, dass mehrere Tausend Nutzer die App heruntergeladen haben. Mit vier oder mehr Sternen als Bewertung drückte die Mehrheit der User eine große Zufriedenheit mit dem Programm aus.

“Welect”: Kooperation mit Rheinbahn vorerst bis Jahresende

Inzwischen läuft das Programm wieder: Nachdem die Macher neue Werbegelder auftreiben konnten, ging der Verkauf gleich nach dem Ende des ersten Kontingents weiter. Allein vom Start am 03. November bis zum 11. November sind laut Angaben einer Sprecherin der Rheinbahn knapp 23.000 Fahrscheine via App kostenlos gelöst worden.

Gegenüber RP-Online sagten die beiden Gründer, dass mit den Nutzerdaten nicht gehandelt werde. Ein wichtiger Aspekt. Denn auf Nachfrage bestätigte ein Sprecher des Verbandes deutscher Verkehrsunternehmen, dass der Datenschutz im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) unter besonderem Schutz stehe und die Angaben der Nutzer auf keinen Fall von Verkehrsunternehmen an Werbekunden weitergereicht werden dürften.

Vorerst solle der Versuch bis Ende dieses Jahres laufen, so eine Sprecherin der Rheinbahn. Sie äußerte sich bisher positiv über das Projekt und beschreibt es als spannenden Weg, neue Kunden zu gewinnen und neue digitale Vertriebswege auszuprobieren. Im kommenden Jahr könnte es ein ähnliches Angebot auch in anderen Städten geben, so die Sprecherin.


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