Elektroauto Sion: „Wir machen’s anders“

Virtual Reality: Die Computeranimation zeigt den Sion vor einem Bürokomplex in München.

Laurin Hahn gründete in München mit Freunden ein Start-up, um ein Elektroauto zu bauen. Unmöglich? Anscheinend nicht. Ein Besuch beim Münchner E-Auto-Start-up Sono Motors.

Laurin Hahn, Gründer des Elektroauto-Start-ups Sono Motors, im Gespräch mit Wolfgang Rudschies von der ADAC Motorwelt.

Stell dir vor, der junge Typ im Café erzählt dir, er würde zusammen mit ein paar Freunden ein innovatives Elektroauto bauen, das sich jeder leisten kann. Würdest du ihm das glauben? Nein, du würdest den Typ für bekifft oder für einen unglaublichen Aufschneider halten, oder?

Fast so ging es mir, als ich Laurin Hahn kennenlernte. Nur dass ich ihn nicht gleich als Spinner abstempelte, sondern sehr genau zuhörte. Denn Laurin, ein 21-jähriger Münchner, redete locker und fachkundig, wirkte bescheiden und bodenständig. Was er zu sagen hatte, klang aber doch unglaublich. Ja, er würde mit Freunden ein Elektroauto bauen. Bei dem eingeläuteten Crowdfunding seien innerhalb von drei Tagen immerhin 300.000 Euro zusammengekommen. Ob er denn Fahrzeugbau oder irgendetwas Technisches studiert habe, wollte ich wissen. „Nein“, antwortete Laurin, „ich habe Abitur gemacht und ein Start-up für Events gegründet. Aber parallel habe ich mit Freunden auch über den Bau eines Elektroautos nachgedacht.“

Kunden werden bei der Entwicklung miteinbezogen

Nach ungefähr vier Jahren Arbeit erscheint das Elektromodell mit Namen Sion ziemlich weit, ein Büro mit angeschlossenem Konferenzzimmer im Münchner Technologiezentrum nahe des Olympiaparks wurde unlängst bezogen. Der erste Prototyp ist Geschichte, aktuell werden Vorserienautos gebaut. Anfang Mai erklärte Laurin: „Es wird einige technische, aber auch optische Änderungen geben. Sie sind das Ergebnis stetiger Befragungen unserer potenziellen Kunden.“ Das ist ein erster entscheidender Unterschied zur Arbeit eines Automobilherstellers wie BMW oder Mercedes: die Kunden unmittelbar am Entwicklungsprozess teilhaben, sie mitreden zu lassen.

Der zweite und alles entscheidende Unterschied: Sono Motors entwickelt keine Komponenten neu. Dazu wäre das Start-up kaum in der Lage. Laurin Hahn und seine Mitstreiter sondieren, was die Automobilzulieferer dieser Welt zu welchem Preis anbieten, und ob es zu ihren Vorstellungen passt. Trotz des geplanten Einstiegspreises von nur 12.000 Euro (plus Batteriemiete) soll der Sion Solarpaneele haben, die 30 Kilometer Reichweite pro Tag erzeugen.

Der Sion auf Tour

Sono Motors wird kein eigenes Produktionswerk errichten oder kaufen (wie Tesla), dafür reicht das Kapital auf keinen Fall. Der Sion wird im Auftrag vom Band laufen. Die Vorserienexemplare stellt eine kleine Firma in Bayern her. Ende Juli sind 1000 Gäste geladen, um das Auto feierlich zu enthüllen. Anschließend geht der Sion auf Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Wer beim Crowdfunding mitgemacht hat, soll das Auto vor Ort Probe fahren können. Und bei Gefallen eine Bestellorder abgeben. Wie viele Bestellungen es braucht, um weitermachen zu können, wollte Laurin nicht verraten. Ob es weitergeht, werden wir trotzdem bald erfahren. So oder so.

Text: Wolfgang Rudschies 

Fotos: Stefanie Aumiller

Technische Daten (Herstellerangaben)

Sion Elektroauto

Antrieb: 80 kW (109 PS) Dreiphasen-Asynchron­motor, wassergekühlte Lithium-Ionen-­Batterie, Ein-Gang­-Getriebe, Rekuperation

Höchstgeschwindigkeit: 140 km/h

Leergewicht: ca. 1400 Kilo

Reichweite: 120 km (14,4 kWh-Batterie) oder 250 km (30 kWh-Batterie)

Maße: L: 4,11 m/B: 1,79 m/H: 1,68 m

Innenraum: 2+3 Sitze, bis 500 Liter Gepäck

Preis: Modell Urban ab 12.000 Euro (plus Batterie­miete 14,4 kWh) mit 22 kW ladefähig.
Modell Extender 16.000 Euro (plus Batteriemiete 30 kWh) mit 50 kW ladefähig


Katharina
PR Referentin, Digitale Kommunikation (DKO)

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