Wo Schwarzeneggers Elektro-SUV gebaut wird

So leer war der Motorraum zwischenzeitlich, während die Mercedes G-Klasse mit Dieselmotor für Arnold Schwarzenegger zu einem Elektro-SUV umgebaut wurde.

Drei Brüder in Österreich tüfteln an Akkus für Elektroautos – und beflügeln damit die ganze Industrie. Ihr Unternehmen wächst und wächst. Die ADAC Motorwelt hat die Firma Kreisel besucht.

Anfangs war es nur eine Randnotiz in der Zeitung: Drei Brüder in Österreich haben einen Golf mit Elektroantrieb gebaut, der doppelt so weit fährt wie der e-Golf des VW-Konzerns. Doppelt so weit? Was sollen unbekannte Kleinunternehmer besser machen als ein ganzes Heer von hochspezialisierten Ingenieuren bei Volkswagen? Kann das möglich sein?

Die Firma hat ihren Sitz in Freistadt, nahe der Grenze zur Tschechischen Republik: Kreisel electric. Markus Kreisel empfängt uns: “Schauen Sie, so sieht unsere Garagenfirma aus!” In der Tat machen die Gebäude einen eher zweitklassigen Eindruck. Ein Rolltor in einem Hinterhof, Container auf dem Gelände. Der Firmensitz wirkt improvisiert. “Wir drei sind ein ideales Team”, beginnt Markus Kreisel seine Vorstellung, “ich als gelernter Kaufmann, mein Bruder Philipp ist Maschinenbauer, Johann kennt sich aus mit Elektrik und Elektronik. Das passt perfekt.”

Etliche sogenannte Demonstratoren mit Elektroantrieb haben die Brüder schon aufgebaut, darunter einen VW Caddy, einen Mercedes Sprinter, einen Škoda Yeti, einen BMW i3 und einen VW Golf. Allen gemeinsam: die ungewöhnlich hohe Reichweite dank einer speziellen Akkutechnologie. Fast immer haben die Kreisels das in Eigeninitiative gemacht. Ausnahme war der e-Golf, den habe VW Sachsen, das Produktionswerk, in Auftrag gegeben. “Die wollten im Bereich Elektroauto unbedingt etwas machen. Inzwischen reden wir aber auch mit der VW-Zentrale in Wolfsburg, mit Braunschweig, auf allen Ebenen, bis rauf zum Vorstand.”

Der erste Meilenstein: Porsche 911 mit 300 Kilometern Reichweite

Insgesamt habe seine Firma in den letzten drei Jahren 70 Projekte durchgeführt, sagt Kreisel. Interessenten und Kunden kommen auch aus dem Schiffs- und Flugzeugbau. In China werden Akkus mit Kreisel-Technologie für Vans und Lkw schon in Serie gefertigt. Die Rede ist von 40.000 Akkus pro Jahr. Erster großer Meilenstein war ein Porsche 911 mit 200 kW Motorleistung und 64-kWh-Akku. 300 Kilometer Reichweite hatte der unter günstigsten Bedingungen. Die Akkus bestanden aus Lithium-Ionen-Rundzellen, wie sie Tesla auch verwendet. Nach 50.000 Kilometern sei das Auto abgebrannt aufgrund eines Defekts an der Bordbatterie. “Das war aber nicht schlimm, denn durch den 911 haben wir sehr viel Software-Know-how aufgebaut.”

Nebenan in der Halle ist eine ausgeweidete Mercedes G-Klasse zu sehen. Bestimmungsort: Kalifornien, USA. Arnold Schwarzenegger ist der Auftraggeber. Mittlerweile ist sein Lieblingsmodell fertiggestellt: In Kitzbühel wurde das vollelektrische SUV bei einer Pressekonferenz vorgestellt. Zwei Monate dauerten die Umbauarbeiten. Das Ergebnis: 300 Kilometer Reichweite, 80 kWh Batteriekapazität, in 25 Minuten lässt sich der elektrische Mercedes-Klassiker zu 80 Prozent aufladen. Schwarzenegger möchte den SUV mit 360 kW (489PS) in seiner Wahlheimat Kalifornien als umweltfreundliches Alltagsauto nutzen. Der Umbau war für ihn eine Herzensangelegenheit.

Auf dem Hof von Kreisel steht auch ein betriebsbereiter Porsche Panamera: 450 Kilometer Reichweite, 360 kW Motorleistung verspricht ein Schriftzug an der Tür. Abgesehen vom Elektroantrieb ist alles original geblieben: auch die Heizung, der Allradantrieb und das Doppelkupplungsgetriebe mit sieben Gängen. Das Auto kann – theoretisch – 330 km/h fahren. Die Akkus sitzen im Unterboden rechts und links des Kardantunnels sowie im Motorraum vorn. Letzteres wäre in einem Serienauto nicht möglich wegen der Deformationszone im Vorderwagen, meint Kreisel.

Die neue Fabrik ist energieautark

“Möchten Sie die Baustelle unserer neuen Fabrik mal sehen?”, fragt er. Klar möchten wir. Und staunen: In der improvisierten Entwicklungswerkstatt, die wir eben noch besichtigten, arbeiten rund 50 Mann. In der neuen Fabrik werden es 150 sein. Es wird ein Swimmingpool auf dem Dach gebaut und ein Fitnesscenter für die Mitarbeiter. Für die Kunden wird es einen Showroom mit High-Tech-LED-Wänden geben und allem Pipapo. Das Gebäude ist energieautark konstruiert. Solarflächen auf dem Dach, riesiger stationärer Energiespeicher innen, 1 MWh Kapazität! Das reicht, um den Pool zu heizen, das Gebäude mit Licht zu versorgen, zu klimatisieren und die Maschinen in der Produktion am Laufen zu halten. Verträge zur Auslastung der Fabrik sind abgeschlossen. Kreisel kalkuliert mit einer Jahresproduktion von 400.000 kWh, Tendenz steigend.

Und was macht nun das technische Geheimnis der Kreisel-Akkus aus? “Unsere Batteriezellen haben einen geringen Innenwiderstand, sie sind besonders eng gepackt und mithilfe einer speziellen Flüssigkeit sehr gut gekühlt”, sagt Kreisel. Das nicht leitende Kühlmedium wird von der Firma 3M aus Deutschland geliefert und umspült die Zellen im Akkupack direkt am metallischen Mantel, wodurch eine sehr viel größere Kühlfläche als sonst zur Verfügung steht. Hinzu komme ein besonders effektives Laserschweißverfahren bei der Produktion, so Kreisel. Der Preis für die Akkus sei um etwa 30 Prozent günstiger als bei den namhaften Mitbewerbern. Und die Energiedichte sei sogar deutlich besser als bei Tesla-Akkus – bisher Benchmark beim Bau von Elektroautos.

Auf dem Rückweg hat Kreisel ein schönes Schlusswort: “In die Serienproduktion von Autos werden wir nicht einsteigen. Das ist uns eine Nummer zu groß. Aber die Zeit, Toaster und Spülmaschinen im elterlichen Elektrofachmarkt zu verkaufen, die ist vorbei.” Sprach’s und schnurrte mit dem Panamera über die sanften Hügel des Mühlviertels. Wir haben den Eindruck: Es könnte die Geburtsstunde des “Silicon Mühlviertel” sein, die wir gerade erleben.

Text: Wolfgang Rudschies
Fotos: Paul Kranzler


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