Autosticker und ihre Wirkung

In Deutschland wie in den USA gleichermaßen beliebt: der "Baby on Board!"-Sticker.

Viele Autofahrer haben einen Aufkleber auf ihrem Fahrzeug. Beim Betrachter lösen Autosticker eine bestimmte Reaktion aus, wie eine US-Studie zeigt.

„Baby on Board!“, „Abi 2017”, „Atomkraft? Nein, danke!” oder „Klar bist du schneller, aber ich fahre vor dir“: Manche Autofahrer nutzen Aufkleber, um auf deutschen Straßen zu kommunizieren und etwas von sich preiszugeben. Was lösen sie damit bei anderen Verkehrsteilnehmern aus? Für Deutschland liegen dazu bislang kaum wissenschaftliche Ergebnisse vor. Jüngst ergab eine unter 100 deutschen Autofahrern durchgeführte Umfrage, dass zwei Drittel Autosticker durchaus interessant oder sogar lustig finden – wenn es sich um halbwegs originelle Sprüche handelt.

Eine Studie des amerikanischen Forschers Walter Goettlich von der University of Kansas liefert weiterführende Erkenntnisse. Der Soziologe fuhr für seine Feldstudie rund 17.000 Kilometer über US-Autobahnen und interviewte zahlreiche Fahrer. Das Ergebnis: Die Aufkleber erzeugen beim Betrachter meist das Bedürfnis, den Autobesitzer einzuordnen. Dieses Phänomen kennt man auch aus den Online-Communitys. Wer dort ein Katzenfoto postet, wird vom Gegenüber in eine Schublade gesteckt: Die Person wird mit einem bestimmten Bildungsniveau und einer sozialen oder politischen Gruppe in Verbindung gebracht.

Verrät ein Autosticker die politische Gesinnung?

In Goettlichs Untersuchung wurden zum Beispiel Fahrer, die mit einem Harley-Davidson-Aufkleber unterwegs sind, von den Betrachtern als Patrioten eingestuft. Entsprechend dürfte der „Atomkraft? Nein, danke!“-Sticker hierzulande dafür sorgen, dass man den Autobesitzer als Umweltschützer einordnet.

Die Kategorisierungsversuche gingen in Goettlichs Studie meist auch mit bestimmten emotionalen Reaktionen einher: Autosticker etwa mit politischen Aussagen verursachten teils zufriedene Zustimmung, teils empörte Ablehnung.

Individuelle Aufkleber immer beliebter

Wie in Deutschland auch, sieht man auf US-amerikanischen Straßen immer häufiger, dass Menschen individuelle Aufkleber kreieren – teilweise als konkrete Antwort auf die Sticker anderer: So finden sich neben den in den USA verbreiteten Aufklebern „Proud parents of an honor student“ (in etwa: Stolze Eltern eines Einserschülers) auch Autosticker wie „My dog is smarter than your honor student“ (Mein Hund ist schlauer als dein Einserschüler).

Mit Material von dpa

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Wenn ein Aufkleber ein Bußgeld nach sich zieht: Hier geht’s zum Urteil.


Tim
Tim
Soziologe und Journalist. Weigert sich, das Verkehrssystem aus systemtheoretischer Perspektive zu betrachten.

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