100 Jahre Tankstelle

Bis zu den 1970er Jahren tankte stets ein Tankwart das Fahrzeug, kontrollierte die wichtigsten Funktionen und kannte meist die Autofahrer beim Namen.

Einst war sie Sehnsuchtsort und Filmkulisse. Heute spielen sich Dramen eher beim Blick in den Geldbeutel ab. Wir gratulieren und räumen mit den hartnäckigsten Mythen rund ums Tanken auf.

Die erste Tankstelle der Welt war genau genommen eine deutsche Apotheke. 1888 kaufte Bertha Benz, die Frau des Autoerfinders Carl Benz dort auf einer Überlandfahrt von Mannheim nach Pforzheim ein Kännchen Waschbenzin als Automobil-Kraftstoff. Verkauft wurden die leicht entzündlichen Stoffe meist in ausgedienten Milchkannen oder Glasflaschen. Drogerien, Kolonialwarenhändler, Hotels und Gaststätten versorgten die ersten Automobilisten mit Sprit. Im Jahr 1909 listete ein Verzeichnis immerhin 2500 solcher Treibstoff-Ausgabestellen auf.

In den Anfangsjahren des 19. Jahrhunderts entwickelten sich aus Schmieden und Schlossereien allmählich Autowerkstätten und Tankstellen. Nach dem Vorbild der Brunnen-Handpumpe wurden Zapfsäulen entwickelt, teilweise bereits mit Tanks in der Erde. Erst 1917 entstand die erste Tankstelle in der Form wie wir sie heute kennen: Der Konzern “Standard Oil of Indiana” eröffnete in Amerika eine Treibstoff-Ausgabestelle mit Preis-Anzeige, Kassenhäuschen und Wetterschutz. In Deutschland wurde die erste Tankstelle dieser Art 1922 in Hannover gebaut.

Die Blütezeit der Tankstelle: Die 1930er-Jahre

Die meisten Tankstellen gab es in Deutschland Mitte der Dreißigerjahre. Über 56.000 Stationen sicherten eine flächendeckende Benzin-Versorgung, das sind viermal mehr Stationen als heute. Und das, obwohl Autos noch immer ein Luxusgut der Oberschicht waren. Tankstellen waren ihr Freiheitsversprechen. Sie galten als elitär, mondän und fortschrittlich.

Zum Kultort wurde die Tankstelle 1930 in der Filmoperette “Die drei von der Tankstelle.” Als charmanter Tankwart sang Heinz Rühmann den Gassenhauer “Ein Freund, ein guter Freund” – und rettete sich und seine Freunde gewitzt aus der Pleite. Erich Kästner widmete der Tankstelle als Ausflugs- und Sehnsuchtsort der Deutschen 1936 das Gedicht “Im Auto über Land.”

Vom Tankwart zum Rund-um-die-Uhr-Service

In den 1950er-Jahren wurde Tankwart zum Ausbildungsberuf in Deutschland. Der Tankwart sorgte sich um kleine Serviceaufgaben und tankte das Fahrzeug der elitären Mobilisten mit persönlicher Note:”Wichtig ist“, heißt es in einem Ausbildungs-Lehrbuch 1955 „mit den Kunden mitfühlen zu können, ihre Namen zu kennen, ihren Beruf und ihre Interessenkreise, vielleicht auch ihre Krankheiten. Dies alles schafft Kontakt.“

In den späten 1950er-Jahren kam die erste Revolution: Autobahn-Tankstellen öffneten 24 Stunden lang, an jedem Tag in der Woche. Den zweiten Schritt zur Automatisierung ging eine Tankstelle in der Nähe von Augsburg. In den frühen 1970er-Jahren konnten in Lagerlechfeld Autofahrer zum ersten Mal ohne Tankwart tanken. Die Selbstbedienung war beliebt, der Sprit konnte so etwas günstiger angeboten werden. Zuerst sah es nach dem Aussterben des Tankwartberufs aus. Doch seit 2006 bietet Shell an rund 1000 Tankstellen in Deutschland den Service wieder an.

Mythen rund ums Tanken

Heute hat die Tankstelle weitestgehend ihren Elitestatus verloren. Über kurz oder lang kommt kein Autofahrer an ihr vorbei. Doch selbst 100 Jahre nach ihrer Einführung halten sich einige Mythen rund um die Tankstelle hartnäckig – wir haben die wichtigsten für euch zusammengestellt:

  1. Mit Markenbenzin kann man 10 Kilometer weiter fahren als mit dem Benzin von freien Tankstellen.
    Grundsätzlich kommt Benzin, egal ob für Marken- oder Billigtankstellen, aus denselben Raffinerien. Lieferanten können dem Kraftstoff zwar spezielle Zusatzstoffe beimischen, die Einfluss auf Motorleistung, Verbrauch und Qualität des Treibstoffs haben sollen. Es ist jedoch nicht nachgewiesen, dass Markenbenzin besser ist als das Benzin freier Tankstellen. Die Anforderung an die Kraftstoffqualität ist in Deutschland gesetzlich geregelt und gilt für jede Spritart einer jeden Tankstelle. Vom Kauf von Premiumbenzin raten wir übrigens ab: Die Messungen zeigen, dass die marginale Leistungssteigerung nicht den deutlichen Preisaufschlag rechtfertigt.
  2. Stört Handy-Strahlung die Zapfsäule?
    An einigen Tankstellen hängt ein “Telefonieren verboten”-Zeichen. Anders als in Krankenhäusern und Flughafen stört allerdings nicht die elektromagnetische Strahlung der Handys. Der offizielle Grund des Telefonierverbots klingt dramatisch: Explosionsgefahr. Tankstellen befürchten, dass ein Handy versehentlich beim Telefonieren auf den Boden fällt, der Akku dabei Funken abgibt – und so verschüttetes Benzin entflammt. Uns ist bisher kein Fall einer tatsächlichen Entzündung durch Handy-Nutzung bekannt.
  3. Was bedeutet die dritte Ziffer des Tankstellenpreises?
    An vielen Tankstellen wird der Spritpreis mit drei Nachkommastellen angegeben. Dieser “Zehntelpfennig” wurde in den 1960er-Jahren eingeführt, als immer mehr Wettbewerber auf den Markt drängten. Um optisch günstiger zu erscheinen als die Konkurrenz, runden Anbieter den Preis auf drei anstatt auf zwei Ziffern nach dem Komma. An der Kasse wird der Zehntelpfennig wieder auf den Centbetrag gerechnet.
  4. Montags ist Tanken am günstigsten.
    Unsere Auswertung zeigt, dass Spritpeise an den Tankstellen nicht wochentagsabhängig sind, sondern im Tagesverlauf schwanken. Wer sparen will, sollte möglichst am Abend zwischen 18 und 20 Uhr tanken. Autofahrer können im Internet unter www.adac.de/tanken und über die ADAC Spritpreis-App jederzeit die günstigste Tankstelle suchen oder sich diese in ADAC Maps entlang der Route anzeigen lassen.

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