Kreuzfahrtschiffe – Rußstreifen am Horizont

Kreuzfahrten erfreuen sich großer Beliebtheit. Allerdings ist nicht jeder ein Fan der schwimmenden Kleinstädte.

Kreuzfahrten liegen voll im Trend: Für das Jahr 2016 verkündete die Branche die neue Rekordzahl von fast 25 Millionen Passagieren. Doch das Image der Kreuzfahrtschiffe hat in Sachen Umweltschutz und Gesundheitsverträglichkeit empfindliche Kratzer bekommen.

Die Zahlen der internationalen Kreuzfahrtbranche sind beeindruckend: Bis zum Jahr 2019 wollen die Reedereien weltweit 44 neue Schiffe mit 104.000 Betten vom Stapel lassen. Die Investitionen erreichen dabei stolze 23,8 Milliarden Euro. Und Deutschland? 2016 machten erstmals mehr als 2 Millionen Deutsche eine Kreuzfahrt, auch dies ein Rekord. Die hohen Passagierzahlen sorgen aber auch für Probleme: Neben den Besuchermassen, die von den schwimmenden Kleinstädten aus schlagartig in die Städte einfallen, und Touristenattraktionen zu “historischen Rummelplätzen” machen, rücken in letzter Zeit verstärkt weitere Probleme in den Fokus: Umweltbelastung und Gesundheitsrisiken.

Umweltsünder Kreuzfahrtschiffe?

Das Gros der Kreuzfahrtschiffe weltweit verbrennt für den Antrieb noch Schweröl, ein Abfallprodukt der Raffinerien, das an Land als “Sondermüll” gilt und laut Dietmar Oeliger vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) “mehr als dreieinhalbtausend Mal mehr Schwefel als Lkw-Diesel” enthält. Ein Umstieg auf den teureren Marine-Diesel würde zwar zu einer erheblichen Reduzierung von Schwefeloxid führen, bei den Stickoxiden allerdings kaum einen Unterschied machen.

Nach Angaben des Branchenverbandes Cruise Lines International Association (CLIA) Deutschland sollen Emissionen in Zukunft vor allem durch alternative Treibstoffe wie Flüssiggas (LNG) reduziert werden. Im August 2017 fuhren lediglich 2 von rund 400 Schiffen mit LNG. Auch mit “Abgasnachbehandlungssystemen” möchte man der Umweltproblematik Herr werden. Seit 2015 dürfen Handels-und Kreuzfahrtschiffe auf Nord- und Ostsee nur noch mit einem Treibstoff unterwegs sein, der 0,1 Prozent Schwefel enthält. Zuvor lag der Grenzwert bei einem Prozent. Die CLIA betonte im September 2017 ihre Verantwortung in Sachen Umweltschutz und gab an, dass bis heute mehr als 100 Schiffe mit Abgaswäschern, sogenannten Scrubbern, ausgestattet seien. In der siebten Auflage seines “Kreuzfahrtrankings” bewertet der NABU die Umweltbilanz der Kreuzfahrtreeder allerdings als “weiterhin schlecht”.

Gesundheitsrisiko Kreuzfahrtschiffe?

Für Aufsehen innerhalb der Branche sorgte in den letzten Monaten vor allem die Berichterstattung im Fernsehen, bei der verdeckt recherchiert wurde. Mehrfach und unabhängig voneinander führten die Journalisten stichprobenartig Feinstaubmessungen auf verschiedenen Kreuzfahrtschiffen durch. Die gemessenen Werte lagen weit über den im Straßenverkehr zulässigen Grenzwerten. Eine Filterung und ein Grenzwert, wie sie für Pkw schon lange gesetzlich festgelegt sind, existieren für den Schiffsverkehr noch nicht.

Naturschutzverbände fordern den Einsatz von effektiven Partikelfiltern, um die Gesundheitsbelastung für Passagiere und Besatzung, aber auch für die Bewohner von Hafen- und Küstenregionen zu verringern. Dass dieses Thema ein heißes Eisen ist, verdeutlichen die provokanten Aussagen von Michael Barczok, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes der Pneumologen: “Ich kann keinem Passagier empfehlen, sich lange an Deck eines Kreuzfahrtschiffes aufzuhalten.”

Ein aktuelles Interview mit Experten des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) und des Branchenverbandes Cruise Lines International Association (CLIA) Deutschland findet ihr hier.

Stickoxide, Feinstaub und Co.: Unser ABC der Abgase erklärt die wichtigsten Begriffe.


6 Kommentare

  1. Chris sagt:

    Und in Venedig darf gar kein Kreuzer mehr rein. Gut!

  2. Jans-Ernst Wagner sagt:

    Die MeyerWerft hat kürzlich ein neues Kreuzfahrtschiff an die Chinesen ausgeliefert. Diese NEUE Schiff hat keinerlei Rußfilter od. irgendwelche Vorrichtungen, um die Abgase zu behandeln bezw. zu vermindern. Es wurde öffentlich berichtet, daß die Auftraggeber -China- ausdrücklich auf jegliche Art von Abgasbehandlung verzichtet haben, da diese in China nicht vorgeschrieben seien und das Schiff nur in chinesischen Gewässern verkehre…….Bei unserer Dieselhysterie und der damit verbundenen Wertevernichtung fällt mir nur noch ein: am Deutschen Wesen soll die Welt genesen!
    Jans-Ernst Wagner

  3. Christian Anner sagt:

    Und warum sind dann die meisten Inserate in der ADAC Motorwelt für Kreuzfahrten jeglicher Art?

  4. Michail Andrejewitsch Plotnikow sagt:

    Die langhubigen Schiffdiesel werden mit Schweröl betrieben und nur in Frachtschiffen eingesetzt.
    In Passagierschiffen sind diese Motoren wegen der niederfrequent stampfenden Schwingungen unbeliebt und es kommen keine Schweröl-Triebwerke zum Einsatz, sondern Heizöl-Extraleicht, also “normales Diesel” wird in den kurzhubigen schnellerdrehenden Passagierschiff-Motoren verwendet.
    Die “komfortableren” Leichtöl-Diesel haben einen schlechteren Wirkungsgrad, als die Schweröl-Maschinen. Die Unterschiede laufen geldmäßig in Millionenbeträge !!!

    Aber Hauptsache mal wieder die Leute kirre gemacht und wenn der Journalist keine Ahnung von dem hat, was erschreibt, ist’s auch egal.

  5. Schuermann, Hermann sagt:

    Lieber Herr Wagner,
    welche Werte werden vernichtet, wenn ein Motor für die Umwelt sauberer arbeitet?
    Die gleiche ‘Argumentation hat es vor wenigen ? Jahren gegeben, als der Cat verpflichtend, gegen den Widerstand der Autoindustrie
    eingeführt worden ist.
    Soll China unser Maßstab sein?
    Dass die Lobby der Kreuzfahrtschiffe seit Jahren eine umweltverträglichere Abgaslösung verhindert ist unfassbar.
    Unsere Kinder werden dieses in wenigen Jahren als skandalös brandmarken.
    Ein bekehrter Kreutzschiffpassagier..
    Hermann Schürmann

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.