Mit Big Data gegen Wildunfälle

Die App Wuidi warnt Autofahrer mit einem dynamischen Wildwechsel-Radar in Echtzeit vor Gefahrengebieten.

Es ist ein trauriger Allzeit-Rekord, den das Statistische Bundesamt meldet: 2016 gab es in Deutschland 264.000 Wildunfälle mit Pkw. Um diese Entwicklung einzudämmen, haben junge Gründer eine App entwickelt, die vor erhöhter Wildunfallgefahr warnt und somit Mensch und Tier schützt.

Was liegt in Zeiten von Digitalisierung und Big Data näher, als der Gefahr von Wildunfällen mit einer App zu Leibe zu rücken? In Bayern nutzen bereits mehr als 10.000 Autofahrer die Wildwarner-App Wuidi, die vom gleichnamigen Start-up in Eigenregie konzipiert und entwickelt wurde. Anlass für die Idee: ein Wildunfall der Gründer, die daraufhin beschlossen, die Gefahr zu minimieren. Ihr könnt die App Wuidi (Wuid, bairisch = Wild) kostenlos im AppStore oder bei GooglePlay herunterladen.

Was die App kann

Wuidi dient als eine Art Wildradar und informiert die Verkehrsteilnehmer, wie gefährdet die Region ist, die sie gerade durchfahren. Die App verknüpft Daten unterschiedlichster Herkunft: Dazu zählen Informationen zu vergangenen Wildunfällen, zu Gefahrenschwerpunkten, die von Jägern aktuell in die App eingepflegt werden können, sowie weitere regionale Einflussfaktoren wie Wetter und Landnutzung, aber auch Brunftzeiten des Wildes.

Was ihr tun müsst

Warnanzeige in der App Wuidi.

Vor Beginn eurer Fahrt müsst ihr lediglich die App auf eurem Smartphone aktivieren. Nähert ihr euch dann einer Risikozone, warnen ein Vibrationsalarm, ein akustisches Signal sowie eine Stimme: “Achtung! Erhöhte Wildwechselgefahr”. All dies funktioniert in Echtzeit. Jetzt heißt es: erhöhte Konzentration.

Je nach aktueller Datenlage könnt ihr im Morgengrauen auf einem bestimmten Streckenabschnitt eine Warnung erhalten, während die App an gleicher Stelle um die Mittagszeit herum nichts meldet. Je mehr Daten aktuell gehalten und gepflegt werden, desto genauer kann die App euch warnen.

Das System hat sich in Bayern, dem Bundesland mit den meisten Wildunfällen, bereits bewährt, das Start-up Wuidi wurde für seine App mit dem Deutschen Mobilitätspreis 2017 ausgezeichnet.

Und im Rest Deutschlands?

Wuidi ist mittlerweile für ganz Deutschland freigeschaltet. Die Firma plant einen großflächigen Ausbau des Dienstes auf ganz Deutschland, Österreich und die Schweiz, verrät Alfons Weinzierl, Co-Founder und CEO der wuidi GmbH. Neben der örtlichen Ausweitung sollen die Inhalte mittelfristig technisch aus der App herausgelöst werden “und der Autofahrer die Wildwarnungen direkt im Fahrzeug erhalten”, also über das Navi oder das Entertainment-System. Angesichts von 700 Millionen Euro Schäden, die durch Wildunfälle jährlich in Deutschland entstehen, eine äußerst sinnvolle Weiterentwicklung.

Wuidi und WilDa

Im Oktober 2017 gab Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt den Startschuss für das mit einer Summe von 1,1 Million Euro geförderte Pilotprojekt „Wildunfälle und Daten” (WilDa). Basis für WilDa ist Wuidi – im Technologie Campus Freyung wächst nun zusammen, was zusammengehört. Prof. Wolfgang Dorner, Leiter des Campus, erklärt, dass verschiedenste Datenquellen angezapft werden, um relevante Informationen mit Hilfe künstlicher Intelligenz zu verknüpfen: Wetterdienste, Landnutzung, Verkehrsaufkommen.

Denn nur über diese Datenbasis lasse sich das Verhalten des Wildes erklären und daraus in Folge ein Prognosemodell für Deutschland, zu einem späteren Zeitpunkt auch für Mitteleuropa, zu errechnen. Das Ziel: Ein System, das euch als Verkehrsteilnehmer dann warnt, wenn ihr in ein Gebiet fahrt, in dem erhöhte Wildunfallgefahr droht. Im März 2020 soll es so weit sein.

Wildunfälle – auf Prävention setzen

Wie wichtig gerade die Prävention für euch als Verkehrsteilnehmer ist, belegt folgendes Rechenbeispiel: Ein Rothirsch, der bei Tempo 60 mit der Frontpartie eines Autos kollidiert, entspricht dem Gewicht eines ausgewachsenen Elefanten: fünf Tonnen.

Sollte es trotz Aufmerksamkeit und Warnung durch die App doch zum Wildunfall gekommen sein, gibt es hier unsere Tipps, wie ihr euch verhalten solltet.

Kollisionsgefahr besteht nicht nur auf Landstraßen. Auch im Supermarkt kann es zu Zusammenstößen kommen. Lest hier, was beim Einkaufswagencrash gilt.


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