Warum nicht mal eine Seilbahn in der Stadt?

In der Stadt London wird eine Seilbahn als öffentliches Nahverkehrsmittel genutzt.

In der bolivianischen Hauptstadt La Paz, im algerischen Algier oder in Ankara in der Türkei: Viele Metropolen setzen auf Seilbahnen als alltägliches Verkehrsmittel für Pendler. In Deutschland hingegen sind Seilbahnen eine Seltenheit: Sie werden oft anlässlich von Großveranstaltungen eingerichtet, aber selten als gleichwertige Alternative zu U-Bahn, Tram oder Bus wahrgenommen. Dabei gibt es gute Gründe, die für die Seilbahn sprechen.

Sie verbindet den U-Bahnhof Kienberg in Berlin-Hellersdorf mit dem Blumberger Damm in Marzahn und schwebt dabei über das Gelände der Internationalen Gartenschau (IGA), die Mitte Oktober zu Ende gegangen ist: die IGA-Seilbahn. Bislang war die Fahrt zumindest im Eintrittspreis für die Veranstaltung enthalten – nun müssen selbst diejenigen Berliner ein Zusatzticket lösen, die zum Beispiel bereits eine Zeitkarte für das Tarifgebiet Hellersdorf haben. Sie dürfen zwar alle anderen Verkehrsmittel ohne Aufpreis nutzen, nicht aber die Seilbahn.

Seilbahnen werden als öffentliches Verkehrsmittel nicht ernst genommen

Damit wird der IGA-Bahn das gleiche Schicksal zuteil wie vielen anderen Seilbahnen: Sie wird als echte Ergänzung zum bestehenden ÖPNV-Netz nicht ernst genommen. Größtes Manko des Verkehrsmittels: Es wird meist für Großveranstaltungen installiert, sagt Max Reichenbach, der am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) zum Thema Seilbahnen forscht: „Eine wirklich urbane Seilbahn wurde in Deutschland bislang nicht umgesetzt. Eventgetriebene Bahnen wie in Berlin oder Koblenz sind meist nicht in das Nahverkehrsnetz integriert, die Stationen teilweise weit von den normalen Umsteigepunkten entfernt.“

Hier das gesamte Interview mit dem Mobilitätsforscher Max Reichenbach zum Thema Seilbahnen.

Die Kosten für einen Kilometer Strecke sind zwar teurer als der Einsatz eines Busses, aber deutlich günstiger als eine Tram, vom Vergleich mit einer U-Bahn gar nicht zu sprechen. Eine Seilbahn benötigt abgesehen von Pfeilern und Stationen keine Flächen, lässt sich also auch in dichtbesiedelten Gebieten realisieren. Und: Eine Seilbahn ist quasi emissionslos. Kein Wunder, dass Baden-Württembergs Verkehrsminister Hermann bereits für Stuttgart den Einsatz von Seilbahnen untersuchen lässt – sie sollen helfen, die chronisch hohe Schadstoffbelastung und Staus in der schwäbischen Landeshauptstadt zu verringern.

Kiel hat es vorgemacht: Eine Seilbahn kann entlasten

Ein kleines Beispiel dafür, dass eine Seilbahn eine Innenstadt tatsächlich vom Verkehr entlasten kann, hat Kiel bereits in den 70er- und 80er-Jahren geliefert. Dort pendelte einst eine Kabinenbahn zwischen dem Kaufhaus Weipert und dem Oberdeck eines Parkhauses auf der anderen Seite des Bootshafens. Ergebnis: Eine Entlastung der stark befahrenen Hafenstraßen vom Parksuchverkehr.

Aus unserer Sicht könnten Seilbahnen ihre Vorteile vor allem bei Kurzstrecken über natürliche Hindernisse wie Wasser oder auf Strecken mit großem Höhenunterschied ausspielen. Für längere Entfernungen oder zur Schaffung von Verkehrsnetzen mit verzweigten Strukturen sind Seilbahnen hingegen – nicht zuletzt aufgrund der niedrigeren Geschwindigkeiten – eher ungeeignet.

Weitere Themen:

Neues Konzept für die Mobilität im urbanen Raum: Das elektrische Skateboard.

Wie Stuttgart den öffentlichen Nahverkehr organisiert, lest ihr hier.


1 Kommentar

  1. Isabel sagt:

    Hallo Hansi,

    für Dein Seilbahn-Aktien Projekt als Argumentationsgrundlage.)

    Liebe Grüße

    isabel

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