Versicherung muss 8742 Euro Nutzungsausfall zahlen

Erst ein Ersatzfahrzeug ablehnen, um später genau das einfordern ist für die Versicherung nicht zulässig.

Nach einem Totalschaden musste ein Autofahrer 148 Tage auf sein zuvor bestelltes Neufahrzeug warten. Für diese Zeit stellte er der gegnerischen Versicherung Nutzungsausfall in Rechnung. Das führte letztendlich zu einem Rechtsstreit.

Ein Autofahrer, der auf sein Fahrzeug täglich angewiesen war, wurde in einen unverschuldeten Unfall mit Totalschaden verwickelt. Er konnte sein Auto nicht mehr nutzen und brauchte ein Ersatzfahrzeug. Dieses wolle er so lange fahren, bis sein Neufahrzeug ausgeliefert wurde, das er vor dem Unfall bestellt hatte. Die Kosten für das Ersatzauto sollte aus seiner Sicht die gegnerische Versicherung zahlen. Die Versicherung des schuldigen Unfallgegners lehnte dies ab.

Der Mann verzichtete daraufhin auf ein Ersatzfahrzeug. Bis sein neues Auto ausgeliefert wurde, vergingen ab dem Unfall 148 Tage. Diese Zeit stellte er der gegnerischen Versicherung in Rechnung: 8742 Euro. Er beantragte eine Nutzungsausfallentschädigung für die 148 Tage Wartezeit á 59 Euro.

“Sie können nicht einfordern, was Sie zuvor ablehnen”

Die Versicherung verweigerte die Zahlung mit dem Hinweis auf Schadenminderungspflicht. Die Vertreter der Versicherung argumentierten unlogisch und sagten, der Geschädigte hätte sich ein Interimsfahrzeug anschaffen müssen – dabei hatten sie zuvor abgelehnt, die Kosten für ein solches Fahrzeug zu erstatten. Die Sache landete daraufhin vor dem Landgericht Augsburg.

Das Gericht argumentierte ähnlich wie der Kläger und gab ihm Recht: Wenn die Versicherung die Kostenübernahme für ein Interimsfahrzeug ablehne, könne sie nicht im Nachhinein genau das einfordern. Außerdem sei dem Geschädigten nicht zuzumuten, den Kaufpreis für ein solches Fahrzeug vorzustrecken, wenn er davon ausgehen zu müsse, dass ihm diese Kosten nicht erstattet werden.  Daher habe er einen Anspruch auf Ausgleich der ihm entgangenen Nutzung für die vollen 148 Tage. Die Versicherung musste die geforderten 8742 Euro zahlen.

LG Augsburg, Urteil vom 10.11.2016, Az.: 101 O 1089/16

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