Wie sieht eine fahrradfreundliche Stadt aus?

München zählt als fahrradfreundliche Stadt. Jedoch: Deutsche Großstädte können aus anderen Ländern noch viel lernen.

Der Copenhagenize Bicycle Friendly Cities Index kürt alle zwei Jahre diejenigen Städte der Welt, die besonders radfreundlich sind. Herausgeber dieses Rankings ist ein dänisches Planungsbüro. Unter den Top 20 liegen immerhin drei deutsche Metropolen: Berlin, Hamburg und München, die es aber auf keinen der vorderen Plätze schafften. Wir haben uns die Top 5 genauer angesehen und festgestellt: Großstädte in Deutschland können noch viel lernen.

Sieger im Ranking 2017 ist Kopenhagen, das seit Jahren als Mustermetropole für Biker gilt. Die dänische Hauptstadt hat in den vergangenen zehn Jahren mehr als 134 Millionen Euro in die Rad-Infrastruktur sowie Einrichtungen für Radfahrer investiert – das sind deutlich mehr als 20 Euro pro Einwohner und Jahr. Zum Vergleich: In Berlin, der bestplatzierten deutschen Stadt, sind es aktuell gerade mal vier Euro. Die Ausgaben rechnen sich: In Kopenhagen fahren 62 Prozent der Bürger mit dem Rad zur Arbeit oder an die Universität – mit dem Auto sind nur 9 Prozent unterwegs.

Doch nicht nur die finanziellen Investitionen lassen Kopenhagen aufs Siegertreppchen klettern. Seit zwei Jahren läuft ein innovatives Pilotprojekt, das Radler noch schneller ans Ziel bringt: Das System erkennt Fahrradfahrer und schaltet grüne Wellen. Motorisierte Verkehrsteilnehmer müssen warten.

Radfreundlich durch intelligente Verkehrssteuerung

Auf intelligente Verkehrssteuerung setzt auch das niederländische Utrecht, das den zweiten Rang belegt. Das System „Flo“, das auch in Eindhoven im Einsatz ist, misst auf wichtigen Radwegen die Geschwindigkeit der Radler und signalisiert, wie Biker die Grünphase der nächsten Ampel erreichen können: Durch schnelleres oder langsameres Fahren. Eine Schildkröte symbolisiert „Bitte etwas langsamer“, ein Hase „Etwas schneller“. Bei einem „Daumen hoch“ ist im gleichen Tempo weiterzufahren. Das System bringt Radler zwar nicht schneller ans Ziel, vermeidet aber gefühlte Wartezeiten. Darüber hinaus investiert auch Utrecht in die Infrastruktur: Die Zahl der Radstellplätze am Bahnhof Utrecht – aktuell bereits rund 12.000 – soll bis zum Jahr 2020 auf nahezu das Dreifache steigen.

Städte, die sich bei ihrer Entwicklung hin zu einer radfreundlichen Stadt auf ihren Lorbeeren ausruhen, werden abgestraft: Passiert ist das Amsterdam – die Stadt gilt zwar als Musterbeispiel für Radfreundlichkeit und stand über vier Jahre an Platz 1. Allerdings hat die niederländische Metropole an Dynamik eingebüßt und landet trotz guter Infrastruktur für Radler nur noch auf Rang 3. Andere Städte haben Amsterdam mittlerweile in Sachen Innovation den Rang abgelaufen.

Verbesserte Radinfrastruktur und Innovationen

Auf dem vierten Rang des Index landet Straßburg, als beste Stadt Frankreichs. Radfahren hat dort mittlerweile einen Anteil von 16 Prozent am Gesamtverkehr. Die Stadt plant außerdem drei Radschnellwege als Ringe um die Stadt sowie weitere in die Peripherie und in Nachbarstädte. Malmö landet unter anderem wegen des Cykethuset in den Top 5. Das Wohnhaus ist auf Bewohner ausgerichtet, die bewusst autofrei leben wollen: Statt Pkw-Parkplätzen gibt es Ladeplätze für E-Bikes, eine Luft-Tankstelle sowie eine eigene Fahrradwerkstatt. Wer will, findet auch in seiner Wohnung oder auf dem Balkon ausreichend Platz fürs Rad.

Innovationen wie das Cykethuset in Malmö sind zwar im Rahmen einzelner Wohnprojekte machbar, realistischer sind bei der Stadtplanung aber “autoarme” Wohnkonzepte zum Beispiel im sozialen Wohnungsbau oder für Studenten- und Altenheime, bei denen der übliche Stellplatzschlüssel aufgrund der niedrigen Autobesitzquote deutlich reduziert wird. Wichtig sind dann eine gute ÖPNV-Erschließung und eine hohe Zahl leicht zugänglicher Fahrradstellplätze.

Aus unserer Sicht können eine verbesserte Radinfrastruktur und Innovationen bei der Steuerung des Verkehrs die Attraktivität des Verkehrsmittels Rad erhöhen und Autofahrer zum Umsteigen aufs Rad bewegen. Dadurch werden vor allem auf Kurzstrecken motorisierter Verkehr und Emissionen vermieden.

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5 Kommentare

  1. Ulrich Schilling sagt:

    der Tenor ist absolut korrekt: in D. triumphiert immer wieder die Bürokratie – es dauert viel zu lange, bis ein Umdenken einsetzt. Und wenn ein Stadtplaner die Höhe eines Fahrradraums mit 1,70 m für “völlig ausreichend” hält, ist dem nichts hinzuzufügen.
    D. steht sich immer wieder selbst im Weg, Pragmatismus und ‘Denken’ – Fehlanzeige!

  2. Anonymous sagt:

    In Nürnberg ist die Stadt nicht fähig, den Fahrradweg von den Zweige der Bäume freizumachen, dafür bei der u-bahn.(Zweige schauen bis zu 1 mtr. heraus.

  3. R. Ruder sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren, beim Lesen Ihres Beitrages “Fahrradfreundliche Staedte in D” u.a. Hamburg, kann ich nur lachen. Diese sogenannte Fahrradfreundlichkeit bezieht sich wohl nur auf die Gegend rund um das Rathaus und andere, ausgesuchte Touristenzentren. Seit nunmehr 17 Jahren wohne ich in einem Wohngebiet am Stadtrand von HH. Fast so lange streite ich mich mit zustaendigen Stellen herum ueber den Zustand der Radwege in unmittelbarer Naehe. Es erfolgrn immer nur hinhaltende Antworten: kein Geld – nicht noetig, es gibt schlimmere Zustaende- bis hin zum Ltr. des Bezirksantes Nord, schon vor 3 Jahren: “Ich kuemmere mich darum”. Auf dieses “kuemmern ” warte ich bis heute.
    Vielleicht hilft mal eine oeffentliche Diskussion einigen Buerokraten auf die Spruenge!

  4. Anonymous sagt:

    An den Fahrrädern gehört ein amtl.Kennzeichen angebracht .!!! ( mit Versicherung z.b. Kleinkraftrad)
    Man soll auch eine Gebühr erheben. (Radwege Erhalten sich nicht umsonst)
    Das Nummernschild würde das Verhalten der Radfahrer erheblich erhöhen , damit sich Fußgänger und Autofahrer Beschimpfungen wie
    Du Arschloch, Wichser, dumme Sau, Du alte Kuh bleib daheim , und schlimmeres nichr mehr UNGESTRAFT anhören müssen. !

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